It’s in the Ocean

Winning Hand

„Do you write a diary?“, fragte ich, ohne meinen Fehler zu bemerken. Denn er hatte bereits gesagt, dass er keine Tage kannte. Die Sonne ging auf und wieder unter, und er lebte im Einklang mit der Natur. „No“, rief er in den Wind und lenkte uns durch die hohen Wellen, die hart gegen sein altes Holzboot schlugen. Er war ein Häuptling, Angst vor den Kräften der Natur kannte er nicht. „Do you?“, fragte er zurück und ließ nun den Motor austrudeln. „I did“, antwortete ich und kramte ein kariertes DIN-A4-Buch aus meinem Rucksack. „For about two years.“ Dann holte ich zum Wurf aus und überließ meine Vergangenheit dem Wasser. „You did it“, jubelte er, während die Wellen meine Ängste, Wünsche und Beichten davontrugen. „It’s in the Ocean.“

# 37

Wie sollte die Seele nicht fliegen,
    wenn aus Seiner Nähe es singt
Und lieblich der Spruch Seiner Gnade;
    „Erhebe Dich!“ von ihr erklingt?
Wie sollte der Fisch sich nicht stürzen
    vom Trocknen ins leichtende Meer,
Wenn lockend die Stimme der Welle
    zu ihm aus dem Ozean dringt?
Wie sollte der Falke zum König
    nicht eilen geschwind von der Jagd,
Sobald ihm die Trommel des Herrschers
    den Ruf „Kehr zurück zu mir!“ bringt?

Nun fliege, nun fliege, du Vogel
    zu deinem ureigenen Platz,
Vom Käfig bist du befreiet,
    gebreitet dein Federkleid blinkt!
O gehe, o gehe, o Seele,
    und flieht aus der Welt voller Leid
In jene, wo man den Becher
    des ewigen Einswerdens trinkt!

Rumi, gest. 1273
aus dem Persischen von Annemarie Schimmel, 1978
aus: Gold auf Lapislazuli (Claudia Ott)


The XX feat. Florence Welch – You got the Love